Die coolste Sau: Der tunesische Wähler
(07.11.11, 10:31 Uhr) Die coolste Sau ist in diesem Monat der tunesische Wähler, der nun erstmals nach 23 Jahren Unrechtsstaat in freier Wahl die politischen Geschicke des Landes mitgestalten konnte.
Der mit schwarzer Tinte bemalte Finger war das Zeichen der Euphorie der Wähler und ihr Glaube in die Demokratie. Jubelnd wurde er in Kameras gehalten und zeugte auch nach der Wahl und dem stundenlangen Warten in praller Sonne von dem lange erwarteten Großereignis. Nach mehreren Selbstverbrennungen im Januar kippte die Stimmung in Tunesien, und politischer Aufruhr zwang den Diktator Ben Ali zur Flucht. Der Wunsch nach Veränderung hatte die oftmals jungen Menschen geeint, dass Internet massiv an ihrer Organisation mitgewirkt. Der Umsturz in Tunesien wurde zum Vorbild für Ägypter, Libyer und Syrer.
Trotz aller Fortschritte ist der Weg zur funktionierenden Demokratie noch lang. Im undurchsichtigen Parteiendschungel nach dem Umsturz hat sich vor allem die islamistisch geprägte Ennahda-Bewegung profiliert. Damit werden religiöse Elemente bei der Erarbeitung einer Verfassung eine Rolle spielen. Der Konflikt mit den weniger religiös ausgerichteten Parteien und letztendlich einem Teil der aktiven Umstürzler scheint also vorprogrammiert. Dennoch: Der erste Schritt hin zu einem weltoffenen Tunesien scheint nicht nur wegen der extrem hohen Wahlbeteiligung von über 80 Prozent gemacht zu sein. Und wer weiß, vielleicht bleibt die Demokratiebegeisterung weiterhin ansteckend.
FACTS:
Als Auslöser gilt die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi
Der Umsturz wird als Jasminrevolution bezeichnet.
Die Wahlbeteiligung lag bei über 80% und damit höher als in der Bundesrepublik.
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